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Wie die EU CBAM die Dekarbonisierung des Stahlsektors beschleunigen kann

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Der EU-Mechanismus zur Anpassung der Kohlenstoffgrenzen (Carbon Border Adjustment Mechanism, CBAM) dient nicht nur dem Schutz der europäischen Industrie, sondern soll auch die globale Dekarbonisierung anregen, indem er den Handel mit Stahl und anderen kohlenstoffintensiven Gütern verändert. Dieser Artikel erklärt, wie CBAM die Kostenlücke zwischen umweltfreundlicher und konventioneller Stahlproduktion schließt, wie wichtig die Berechnung der Emissionen im Rahmen von CBAM ist und warum dies wichtig ist, um in der Stahlindustrie echte Fortschritte beim Klimaschutz zu erzielen.

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Ein Schwergewicht bei den Emissionen

Der größte Teil des heutigen Stahls wird im Hochofen-Basis-Sauerstoff-Ofen-Verfahren (BF-BOF) hergestellt, einem Verfahren, das stark auf Kokskohle angewiesen ist. Bei diesem Verfahren werden etwa 2 Tonnen CO₂ pro Tonne Stahl emittiert, was es zu einem der kohlenstoffintensivsten Industrieprozesse der Welt macht. Trotz schrittweiser Verbesserungen ist die Stahlindustrie nach wie vor der größte industrielle Kohleverbraucher und trägt erheblich zum Klimawandel und zur Umweltzerstörung bei.

Doch auch der Stahlsektor steht vor einem Wandel. Er hat sich verpflichtet, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen, und es gibt bereits Technologien, mit denen die Stahlproduktion dekarbonisiert werden kann. Was hält sie zurück? Mit einem Wort: die Kosten.

Die Technologie existiert - aber sie ist teuer

Heute bieten umweltfreundlichere Alternativen wie Elektrolichtbogenöfen (EAF) und wasserstoffbasiertes direktreduziertes Eisen (H₂-DRI) erhebliche Emissionsreduzierungen. Elektrolichtbogenöfen, die recycelten Stahlschrott und Strom verwenden, stoßen bis zu 80% weniger CO₂ aus als herkömmliche Verfahren. H₂-DRI, die mit erneuerbarem Wasserstoff betrieben werden, können die Emissionen um bis zu 90% senken.

Aber diese Technologien sind immer noch kostspielig. Die Stahlerzeugung mittels H₂-DRI ist derzeit 30-40% teurer als herkömmliche Verfahren, vor allem wegen der hohen Energiekosten und der erforderlichen Infrastruktur. Darüber hinaus schränkt die Verfügbarkeit von Schrott in einigen Regionen den Einsatz von EAF ein. Trotz dieser Hindernisse deuten Studien darauf hin, dass diese grünen Technologien bis Anfang der 2030er Jahre wirtschaftlich rentabel werden könnten - wenn die richtigen Marktsignale und politischen Anreize vorhanden sind.

CBAM: Ein Wendepunkt in der Dekarbonisierung

Hier kommt der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) der EU ins Spiel. Der CBAM wurde entwickelt, um die Wettbewerbsbedingungen zwischen inländischen Herstellern, die dem EU-Emissionshandelssystem (ETS) unterliegen, und ausländischen Unternehmen in Ländern mit schwächeren Klimaregelungen auszugleichen.

Indem CBAM die Kosten für kohlenstoffintensive Stahlimporte erhöht, verschiebt sich das finanzielle Kalkül. Plötzlich erscheinen emissionsarme Produktionsmethoden nicht mehr als kostspielige Belastung, sondern als strategische Investitionen. Prognosen zeigen beispielsweise, dass mit CBAM und stetig steigenden Kohlenstoffpreisen der Break-even-Punkt für grünen Stahl in Indien bereits 2029 erreicht werden könnte, was die Einführung sauberer Technologien um Jahre beschleunigen würde.

Darüber hinaus mindert CBAM das Risiko von Carbon Leakage - der Verlagerung von emissionsintensiver Produktion in Länder mit laxeren Klimagesetzen. Anstatt Klimaregelungen zu umgehen, erhalten die Hersteller einen Anreiz, ihre Prozesse zu modernisieren, in grünen Wasserstoff zu investieren und die Abhängigkeit von kohlebasierten Hochöfen zu verringern.

Warum der Emissionsberechnungsansatz von CBAM wichtig ist

Ein sehr wichtiger - und manchmal übersehener - Aspekt der Auswirkungen von CBAM auf die globale Dekarbonisierung liegt in der Art und Weise, wie Emissionen berechnet und berichtet werden. Bei CBAM werden die Emissionen in der Regel über eine gesamte Produktionsanlage gemittelt und nicht an einzelne Produktwege gebunden. Diese Unterscheidung ist von großer Bedeutung.

Warum? Weil viele Stahlproduzenten gemischte Anlagen betreiben - einige Öfen produzieren grünen, kohlenstoffarmen Stahl (z. B. über Elektrolichtbogenöfen), während andere am gleichen Standort noch immer sehr kohlenstoffintensive Hochöfen verwenden. Ohne eine Mittelwertbildung könnten die Unternehmen eine "Ressourcenverschiebung" vornehmen: Sie würden nur ihren grünen Stahl nach Europa schicken, während sie den Rest der Welt weiterhin mit emissionsintensivem Stahl beliefern. Eine solche Strategie würde den globalen Dekarbonisierungseffekt untergraben, den CBAM auslösen will.

Die Ermittlung des Durchschnittswerts der Emissionen für alle Produktionswege innerhalb einer Anlage verhindert diese Praxis. Dadurch wird sichergestellt, dass die Hersteller die Emissionen insgesamt reduzieren und nicht nur selektiv die für Europa bestimmten Produkte umweltfreundlicher gestalten. Dieser Ansatz ist wichtig, um eine "kosmetische Dekarbonisierung" zu verhindern und sicherzustellen, dass CBAM echte, globale Emissionssenkungen bewirkt - und nicht nur sauberere Exporte in die EU.

Indem CBAM Durchschnittsemissionen auf Anlagenebene vorschreibt (es sei denn, es werden genaue, überprüfbare produktspezifische Daten vorgelegt), wird der Schwerpunkt auf die Dekarbonisierung des gesamten Standorts gelegt, so dass die Hersteller weltweit gezwungen sind, ihre gesamte Produktionskapazität zu modernisieren und nicht nur den Teil, der für die europäischen Märkte bestimmt ist.

Blick in die Zukunft 

Die EU CBAM ist mehr als ein Handelsinstrument - sie ist ein Katalysator für die weltweite industrielle Dekarbonisierung. Da Länder wie Indien, China und Brasilien ihre Wettbewerbsposition unter dieser neuen Regelung neu bewerten, wird sich der Druck zur Einführung kohlenstoffarmer Stahlproduktionsmethoden verstärken. Dies könnte erhebliche Investitionen in grüne Infrastrukturen auslösen, Kostensenkungen für Schlüsseltechnologien beschleunigen und die Stahlindustrie näher an eine Netto-Null-Ausrichtung bringen.

Quellen:

  • Weltstahlverband (2024)
  • Martin, L. (2024)
  • Deloitte (2024)
  • Agora Industrie et al. (2024)
  • IEA (2020, 2024)
  • Rübbelke et al. (2022, 2024)
  • Kashyap et al. (2024)
  • GMK-Zentrum (2024)